Eine qualifizierte BWA zeigt nicht nur die Kapitaldienstfähigkeit und den Finanzierungsspielraum, sondern ist auch darüber hinaus eine echte Steuerungsinformation.
Die betriebswirtschaftliche Auswertung ist für viele Unternehmerinnen und Unternehmer ein monatliches Ritual: Sie wird erstellt, vielleicht kurz überflogen und dann abgeheftet. Doch was, wenn genau diese BWA die Grundlage für eine folgenschwere Fehlentscheidung ist? Oder wenn sie der Grund dafür ist, dass die Bank einen Kredit ablehnt?
Was ist eine „qualifizierte“ BWA – und warum ist sie so wichtig?
Eine qualifizierte BWA ist mehr als nur eine Auflistung von Buchungszahlen. Sie ist:
Kurz: Sie ist ein echtes Steuerungsinstrument – und kein reines Buchhaltungsprodukt.
Warum unqualifizierte BWAs gefährlich sind
Unqualifizierte BWAs enthalten oft:
Ein weiteres untrügliches Merkmal von nicht qualifizierten BWA ist, dass sie erheblich vom endgültigen Jahresergebnis abweichen, was zeigt, dass sie nicht verlässlich sind.
Dies führt zu einem verzerrten Bild der wirtschaftlichen Lage mit potenziell fatalen Folgen: Es können falsche Investitionsentscheidungen getroffen werden, zu hohe Entnahmen erfolgen oder eine Finanzierung kann abgelehnt werden.
Ein Praxisbeispiel veranschaulicht, wie unterschiedlich die Kapitaldienstfähigkeit mit und ohne qualifizierte BWA beurteilt wird.
Stellen wir uns folgenden Fall vor: Ein Unternehmen möchte einen Kredit aufnehmen. Die Bank prüft die Kapitaldienstfähigkeit, also die Fähigkeit, Zinsen und Tilgungen aus dem laufenden Geschäft zu leisten.
Unqualifizierte BWA:
Ergebnis: Die Bank lehnt den Kredit ab oder verlangt hohe Sicherheiten. Um ihr Risiko einschätzen zu können, legen Banken großen Wert auf eine qualifizierte BWA. Wer nur eine unqualifizierte Version vorlegt, schwächt seine Position im Finanzierungsgespräch erheblich.
Qualifizierte BWA:
Ergebnis: Die Bank erkennt die soliden Zahlen – und gibt grünes Licht.
Checkliste: Ist Ihre BWA qualifiziert?
Hier sind 7 Prüfkriterien, mit denen Sie Ihre BWA auf den Prüfstand stellen können:
1. Periodengerechte Abgrenzung von Erträgen und Aufwendungen
2. Berücksichtigung kalkulatorischer Kosten (z. B. Unternehmerlohn, Miete)
3. Korrekte Erfassung von Entnahmen und Einlagen
4. Aktualität der Buchungen (keine Buchungslücken oder Rückstände)
5. Transparente Darstellung von Sonderfaktoren (z. B. Einmaleffekte)
6. Abgleich mit der Summen- und Saldenliste zur Plausibilitätsprüfung
7. Ergänzende Auswertungen wie Kapitaldienstgrenze oder Liquiditätsübersicht
Fazit: Eine qualifizierte BWA ist der Schlüssel zu einer soliden Finanzierung. Sie ist erfolgsentscheidend – nicht nur im Umgang mit Banken. Eine qualifizierte BWA belegt, dass Sie Ihre Zahlen im Griff haben, Risiken erkennen und fundierte Entscheidungen treffen können.
Tipp: Prüfen Sie regelmäßig, ob alle Kriterien für eine qualifizierte BWA erfüllt sind. Lassen Sie sich dabei am Anfang ggf. von einem betriebswirtschaftlich versierten Buchhalter, Steuerberater oder Unternehmensberater unterstützen.